Die Bedeutung von Unisex oder: Was kommt künftig auf die Verbraucher zu?

Die künftige Gleichstellung zwischen Männer- und Frauen-Tarifen wird dazu führen, dass hierdurch die Policen für Altbestandskunden nicht billiger werden. Im Umkehrschluss werden die künftigen Verbraucher und Versicherungsnehmer die Leidtragenden sein, denn ihre Beitragsaufschläge werden deutlich nach oben steigen. Da gerade männliche Versicherte beim Abschluss einer neuen Berufsunfähigkeits- oder Pflegezusatzversicherung mit Teuerungen von rund 40 Prozent und mehr rechnen müssen, sind auch Senioren angehalten, ihre Versicherungen zu überprüfen. Weibliche Versicherungsnehmer werden dagegen in der Zukunft mehr für ihre Risiko-Lebensversicherungen ausgeben müssen. Hier sollte entsprechend geprüft werden, ob bestehende Versicherungen überhaupt noch benötigt werden.

Männliche Versicherungsnehmer können auf Grund der neuen Preisgestaltung in den Unisex-Tarifen gerade bei der Risikolebensversicherung einige Euro einsparen. Gleiches gilt für alle Selbständigen in der Sparte Rürup-Rentenversicherungen. Im Umkehrschluss müssen dann die weiblichen Versicherungsnehmer das Risiko ihrer männlichen Kollegen über Risikobeiträge mittragen. Insbesondere in der Privaten Krankenversicherung ist es nicht immer einfach, schnell einmal den Tarif oder gar den Versicherer zu wechseln. Trotzdem wird es auch in Zukunft für jeden PKV-Versicherten ratsam sein, seine Police im Auge zu behalten. Fest steht in jedem Falle, dass Neuabschlüsse mit hohen Beitragserhöhungen verbunden sein werden. Von daher muss auch bei Unisex-Tarifen der monatliche Beitrag als wichtigstes Kriterium bei der Policenauswahl gesehen werden. Die Leistungen, die PKV-Versicherte hingegen wählen können, unterscheiden sich nicht wesentlich.

Insbesondere weibliche Versicherungsnehmer werden beim Abschluss einer Privaten Krankenversicherung mit einer Mehrbelastung von rund 30 Prozent rechnen müssen. Altkunden haben hingegen auch weiterhin den Vorteil, dass die Versicherungen zwischen weiblichen und männlichen Versicherten differenzieren dürfen. In diesem Falle haben männliche Versicherungsnehmer deutlich höhere Beiträge zu zahlen als weibliche. Betroffen von den Unisex-Tarifen sind auch Risiko-Lebensversicherungen. Sie eignen sich besonders für Personen, die günstig ihre Angehörigen absichern möchten. Daher fallen in diese Zielgruppe neben jungen Paaren auch Familien mit Kindern. Wer gesund ist und auch keinem riskanten Hobby nachgeht, kann sich auch weiterhin günstig versichern. Allerdings müssen Versicherte auch in dieser Sparte auf die enormen Beitragsunterschiede achten. Weibliche Versicherungsnehmer mit einem Alter von rund 30 Jahren zahlen bei einer Versicherungssumme von 150.000 Euro und einer Laufzeit von 20 Jahren jährlich zwischen 76 und 264 Euro. Wer als Raucher in der Risiko-Lebensversicherung eingestuft wird, zahlt bei denselben vorgenannten Leistungen und Laufzeiten zwischen 180 und 400 Euro pro Jahr.

Was die gesetzliche Rentenversicherung anbelangt, so ist derzeit geplant, dass es im Kampf gegen die Altersarmut eine steuerfinanzierte Solidarrente geben soll. Dabei ist vorgesehen, dass Bürger, die 30 Jahre lang Beiträge gezahlt haben und 40 Jahre versichert waren, mindestens 850 Euro erhalten sollen. Das Problem: die meisten Arbeitnehmer bringen es im Schnitt auf lediglich 33,5 Versicherungsjahre, Frauen sogar nur auf 26,8 Jahre. Doch für denjenigen, der kürzer arbeitet, fällt entsprechend auch die Rente aus. Von daher ist die Absicherung durch eine Private Rentenversicherung auch in Zukunft interessant. Allerdings haben die männlichen Versicherungsnehmer durch die Unisex-Tarife mit Aufschlägen zu rechnen, da sie trotz der Gleichstellung die längere Lebenserwartung der weiblichen Versicherungsnehmer mittragen müssen. Weibliche Versicherungsnehmer dürften durch die Unisex-Tarife in den Genuss von günstigeren Beiträgen kommen. Auch in der Sparte der Kfz-Versicherung muss mit deutlichen Beitragserhöhungen gerechnet werden. Betroffen sind insbesondere junge Fahranfänger.

Dass auch die zunehmende Lebenserwartung trotz der neuen Unisex-Tarife aufgefangen werden muss, ist kein Geheimnis. Heute leben die Menschen in Deutschland deutlich länger als vor einigen Jahrzehnten. Lebten im Jahre 1960 alle 60-jährigen Männer noch 19 und alle Frauen 22 Jahre länger, sind es heute (2012) bereits 21 bzw. 25 Jahre. Gleiches gilt für 65-Jährige, hier leben die männlichen Versicherungsnehmer heute 17 Jahre, die weiblichen Versicherungsnehmer 21 Jahre länger. Bezieht man die Statistik dann auch noch auf das 80. Lebensjahr, dann leben Frauen immerhin noch neun Jahre, während es bei Männern lediglich acht Jahre sind. Hinzu kommt die steigende Erwerbsquote bei älteren Arbeitnehmern. Standen im Jahr 2000 noch 19,9 Prozent aller 60- bis 65-Jährigen im Arbeitsleben (69 Prozent der Gesamtbevölkerung), stieg im Jahre 2011 die Erwerbsquote bereits auf 40,8 Prozent. Das entspricht einer Zunahme um 40,8 Prozent (!).



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