Die Pflegezusatzversicherung – für Versicherte noch ein rotes Tuch

Bisher hat alles gut funktioniert: Die gesetzlichen Krankenkassen sorgen für das Rundum – Wohlfühlpaket in Sachen Gesundheit – von der Vorsorge bis zur Palliativmedizin. Die Pflegekasse sorgt für entsprechende Versorgung um Alter. Warum reichen die Beiträge jetzt nicht mehr? Zukunftsängste machen sich besonders in jungen Familien breit.

Eine Zusatzversicherung zur Versicherung? Viele verstehen das deutsche Sozialsystem nicht mehr

Bereits zwei Jahre, nachdem der Gesetzgeber seinen Bürgern eine neue Pflichtversicherung verordnet hat – es war im Jahr 1995, als die Pflegeversicherung gegen alles Gemurre eingeführt wurde – war klar: Nicht einmal diese zusätzliche Versicherung wird reichen, um die immensen Kosten, die jährlich in der Pflege betagter Menschen benötigt wird, zu decken. Also braucht das Land, das weltweit eines der besten Sozialversicherungssysteme besitzt, weitere Einnahmen, um dem Bürger das Gefühl von Geborgenheit auch dann vermitteln zu können, wenn er sich selbst nicht mehr helfen kann und auf Hilfe angewiesen ist. Besonders bei jungen Menschen und Familien stößt die Idee, der gesetzlich verordneten Pflegeversicherung noch eine weitere kostenpflichtige Versicherung hinzuzufügen, auf wenig Gegenliebe. Erstens denken junge Menschen nicht gern über das Alter nach, zweitens sind ihre Budgets häufig finanziell ausgereizt durch Familiengründung und die Anschaffung eines Eigenheims. Da ist finanziell wenig Spielraum für weitere Zunftsinvestitionen. Die Frage steht im Raum: Wie konnte es dazu kommen, dass Sozialversicherte innerhalb weniger Jahre immer stärker zur Kasse gebeten werden? Da lohnt sich ein Blick in die Geschichte des beispielhaften deutschen Sozialversicherungssystems. Die begann erst Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. In Deutschland ereignete sich die industrielle Revolution. Die Gesellschaft war in drei Klassen aufgeteilt. Die Oberschicht konnte sich alles leisten, sogar medizinische Versorgung im Krankheitsfall. Die kleine bürgerliche Mittelschicht hatte zumindest einen so guten Verdienst, dass sie sich beheizbare Wohnräume und eine vernünftige Ernährung leisten konnte. Die dritte Schicht, die „Unterschicht“ dagegen hatte nichts. Der Familienvater hatte eine Lebenserwartung von etwa 35 Jahren, verdiente wenig, weil er „nur“ Arbeiter war. Die Familie lebte in beengten Verhältnissen, unbeheizbaren feuchten Räumen, trank belastetes Trinkwasser und konnte sich kaum mehr als Hirsebrei leisten, der mit dem verunreinigten Trinkwasser zubereitet wurde. An eine ärztliche Versorgung im Krankheitsfall war nicht zu denken. Die Fakten aus dieser Zeit: Das zu erwartende Leben endete für Männer wie Frauen mit etwa Mitte 30, 250 von 1000 lebend geborenen Kindern starben innerhalb der ersten fünf Lebensjahre. Der Krankheitsstand in den neuen Industrieunternehmen war gigantisch. Es war also nicht reine Nächstenliebe, die die Politik dazu trieb, nach Beendigung dieser Missstände zu suchen. Es waren auch oder vielleicht zuerst wirtschaftpolitische Überlegungen. Wie auch immer: Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Die ersten gesetzlichen Krankenkassen nahmen ihre Arbeit auf. Arbeitnehmer und -geber zahlten festgelegte monatliche Beiträge ein. Die ganze Familie war versichert und erhielt eine sinnvolle und ausreichende medizinische Versorgung. Heute liegt die Lebenserwartung für Frauen bei 82 Jahren, für Männer bei 77. Die Kindersterblichkeitsrate ist unter 0,5 Prozent gesunken. Damit erfährt das Sozialversicherungssystem neue Aufgaben.

Sicherheiten im Alter schaffen, durch eine
zusätzliche Pflegeversicherung.

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Die Pflege alter Familienmitglieder war früher Familiensache – das funktioniert nicht mehr

Heute leben wir in einer globalen Welt. Viele junge Menschen ergreifen Berufe, die sie jahrelang durch viele Länder und auf viele Kontinente führen. Der Unterhalt für die Familie wird in der Regel nicht mehr von dem alleinverdienenden Vater gesichert. Vielmehr sind beide Eltern berufstätig. Wohnraum ist komfortabel, aber auch teuer. Die Generationen haben sich räumlich getrennt, weil auch die „Alten“ keine Almosennehmer mehr sind, sondern sich in dieser nachfamiliären Phase noch ein neu gewonnenes Eigenleben gönnen möchten. Wenn es dann zu einer altersbedingten Pflegebedürftigkeit kommt, macht sich in vielen Familien eine Alarmstimmung breit. Und genau an diesem Punkt setzt die Versicherung von Altersrisiken ein. Die Alten wollen die Jungen nicht belasten, die Jungen wiederum haben weder die Zeit noch die Möglichkeit, sich um die Alten zu kümmern. Die Pflegeversicherung war ein erster Schritt. Aber sie kann die Pflegekosten nicht mehr decken. Gesetzliche und private Krankenkassen bieten an, gemeinsam an einem neuen Konzept zu arbeiten

Ob wir wollen oder nicht, Alterspflege muss finanziert werden

Natürlich belastet eine weitere Versicherung alle Beteiligten. Aber das Prinzip der Solidargemeinschaft hat sich bewährt. Wenn wir alt werden wollen, müssen wir damit rechnen, dass dies nicht ohne Komplikationen geht. Alle Versicherungspflichtigen müssen zur Kenntnis nehmen, dass die Globalisierung, die es jungen Menschen ermöglicht, sich und ihre Ressourcen frei zu entfalten und den Herausforderungen des Weltmarkts anzupassen, nicht ohne Gegenleistung zu haben sind. Und wenn die Kosten den bisherigen finanziellen Rahmen der Pflegekassen sprengen, müssen eben neue Lösungen her.


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