Minus bei den Krankenkassen – Steigen 2015 die Kassenbeiträge?

Montag den 16.06.2014

Wie die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet, haben die Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland erstmals seit 2008 wieder ein Minus eingefahren. Damit gehen die Kassen einen erstaunlichen Weg, geht es doch der Wirtschaft hierzulande gut, was sich zugleich in einer sich immer weiter verbessernden Erwerbslage äußert. Was normalerweise dazu führen müsste, dass die Gesetzliche Sozialversicherung durch ein Mehr an Beiträgen und durch steigende Beiträge dank der Gehaltssteigerungen profitieren können. Doch irgendwie funktioniert das Modell nicht mehr bei der GKV, die Kassen haben seit Beginn dieses Jahres ein Minus geschrieben, wie die „FAZ“ schreibt.

Techniker Krankenkasse mit größtem Minus

Dabei hat es vor allem den neuen Branchenprimus, die Techniker Krankenkasse getroffen. Nachdem diese die Barmer GEK überholt hatte bei der Zahl der Versicherten, ging die TK auf wie ein Stern am Himmel der Gesetzlichen Krankenkassen.

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Doch ausgerechnet der neue Star der Kassen in Deutschland hat nun mit dem größten Minus zu kämpfen, was laut „Handelsblatt“ bei 217 Millionen Euro liegen soll. Damit ist der Weg der TK, unbedingt viele neue Kunden zu werben, gerade auch durch die Vergabe von Prämien, nicht unbedingt gerade der beste gewesen, könnte man meinen.

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Überschuss bei der AOK

Anders als die Techniker Krankenkasse, die ein fettes Minus verzeichnen musste, kam es bei der AOK, den Allgemeinen Ortskrankenkassen, sogar zu einem Überschuss. 150 Millionen Euro an Überschuss will die AOK erwirtschaftet haben – und doch hat auch dieses positive Ergebnis einen deutlichen Makel. Er beträgt nur noch ein Drittel dessen, was die AOK im 1. Quartal des vergangenen Jahres erwirtschaften konnten.

Finanzreserven noch hoch

Noch sind sie gut, die finanziellen Polster der GKV. Doch wird dies auch so bleiben? Die weiter steigenden Gesundheitskosten sind nicht gerade ohne und müssen den Gesetzlichen Krankenkassen gestemmt werden.

Und wenn diese bereits jetzt, bei dem Aufschwung, den es in den ersten Monaten dieses Jahres dank der milden Witterung bereits gab, „schwächeln“, wie wird dies erst im weiteren Verlauf dieses Jahres sein? Denn: Der frühe Boom hat den Frühjahrsaufschwung vorweggenommen, für das 2. Quartal 2014 dürfte damit nicht mit einer weiteren Belebung auch der Krankenkassenbeiträge zu rechnen sein.

Erwartungen für das Gesamtjahr „eher negativ“

Geht den Krankenkassen in Deutschland die positive Einstellung aus? Oder ist es nach Jahren der Überschüssen nun doch soweit, dass die Realität des Gesundheitssystems die GKV eingeholt hat? So hob die Sprecherin des Ersatzkassenverbandes, Michaela Gottfried, laut „Handelsblatt“ hervor, „dass die Schere zwischen Beitragseinnahmen und Leistungsausgaben weit auseinanderklaffe. Auch für das Gesamtjahr seien die Erwartungen eher negativ.“, so die Wirtschaftszeitung.

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Damit zeigt sich bereits nach dem 1. Quartal dieses Jahres, dass die Zeiten für die Gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland 2014 weitaus rosiger sein und werden dürften denn noch in den Jahren zuvor. Und auch der Sprecher des AOK-Bundesverbandes, Kai Behrens, blies im „Handelsblatt“ in ein ähnliches Horn und äußerte gegenüber der Zeitung: “Die Zeiten der hohen Überschüsse sind vorbei”.

Noch sind Rücklagen vorhanden

Auch wenn natürlich noch Rücklagen vorhanden sind dank der hohen Überschüsse der vergangenen Jahre, so könnte doch bald eine Eiszeit auf die Gesetzlichen Krankenkassen zukommen. Auf Ende des vergangenen Jahres waren die Reserven der GKV auf 30,3 Milliarden Euro anstiegen.

Dadurch gibt es beim Gesundheitsfonds Rücklagen in Höhe von 13,6 Milliarden Euro, bei den Krankenkassen selbst in Höhe von 16,7 Milliarden Euro. Doch damit könnte bald Schluss sein, wenn die Krankenkassen weiter Minus machen.

GroKo will Zuschüsse kürzen

Zudem kommt neben dem Minus der Krankenkassen selbst ein weiteres Problem auf die GKV zu. Wie die GroKo beschlossen hat, will sie den Zuschuss für den Gesundheitsfonds in diesem Jahr deutlich kürzen.

Statt wie bisher 14 Milliarden Euro soll die Zuwendung seitens des Staates nur noch 10,5 Milliarden Euro betragen, und damit 3,5 Milliarden Euro weniger als noch im vergangenen Jahr. Auch dies wird die Krankenkassen und vor allem deren finanzielle Gesundheit erheblich stören. Und am Ende wird dies wohl zu höheren Kosten für die Versicherten selbst führen, sei es durch höhere Krankenkassenbeiträge oder aber durch einen neuen Zusatzbeitrag.

Höhere Krankenkassenbeiträge ab 2015?

Da die einen Krankenkassen nun Minus einfahren, andere hingegen deutlich schrumpfende Überschüsse hinnehmen müssen, und dies wohl kaum besser werden wird im Verlauf dieses Jahres, wird auch die Frage zu stellen sein, ob es ab kommendem Jahr höhere Krankenkassenbeiträge geben wird.

Hier wird sicher das Bundesgesundheitsministerium das Heft in die Hand nehmen und überlegen müssen, ob die Kassenbeiträge selbst gegebenenfalls erhöht werden. Zumindest der Arbeitnehmeranteil, da der Anteil der Arbeitgeber an den Krankenkassenbeiträgen festgefroren werden soll. Oder ob man die Kassen selbst machen lässt durch das Erheben unterschiedlich hoher Beiträge und / oder das Erheben eines erneuten Zusatzbeitrags.

Droht die Rückkehr des Zusatzbeitrags?

Am wahrscheinlichsten scheint es derzeit zu sein, dass die Krankenkassen versuchen werden, den bisherigen Krankenkassenbeitrag möglichst gleich zu halten, jedoch bei Bedarf zumindest zeitweise einen neuen Zusatzbeitrag einführen.

Welche Option die Kassen jedoch jeweils wählen werden, wird ihnen überlassen sein. Die Regierungskoalition hat durch die Abschaffung der Beitragseinheit und der damit möglichen Rückkehr zur Beitragsautonomie beiden Möglichkeiten Tür und Tor geöffnet.

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Eines dürfte dabei jedoch wohl sicher sein: so oder so wird die Gesetzliche Krankenversicherung für ihre Mitglieder spätestens ab dem kommenden Jahr teurer werden. Denn die bereits oben genannte Schere zwischen den Ausgaben der GKV und den Einnahmen aus den Beiträgen und den Zuwendungen des Gesundheitsfonds wird immer größer werden. Gesundheit ist nun mal gerade in Deutschland ein teures Gut, obwohl die Leistungen, welche die Versicherten dafür erhalten, längst nicht mehr dem entsprechen, was sie dafür Monat für Monat bezahlen müssen.

Verluste dank zu hoher Prämien?

Doch wer hat eigentlich wirklich Schuld an der gegenwärtigen Misere der Gesetzlichen Krankenkassen? Sind es wirklich nur die steigenden Kosten des Gesundheitssystems? Oder ist das Problem nicht vielleicht teilweise sogar hausgemacht?

Hier fällt uns vor allem eines ein: Die Prämien, mit denen verschiedene Krankenkassen, am lautesten die Techniker Krankenkasse, in den vergangenen Monaten geworben haben. Und dadurch natürlich auch entsprechend neue Mitglieder anzogen.

Dies bedeutet letztlich möglicherweise auch, dass einige Kassen vor allem deshalb mit einem Minus zu kämpfen haben, weil sie Prämien ausgeschüttet haben, um damit letztlich auch indirekt Werbung für sich zu machen. Doch irgendwie scheint der Schuss hier dann doch nach hinten losgegangen zu sein, wie es am Beispiel der Techniker Krankenkasse zu vermuten ist. Hatte doch gerade die TK am lautesten „Geräusche“ gemacht hinsichtlich ihrer Prämie für ihre Mitglieder – und hat in der Folge nun mit dem höchsten Minus zu kämpfen.

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